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Effizienzgewinn durch Lernvideo-Einsatz

Anwendungsbeispiel der 4-schritt-methode zum verfassen von fachtexten

 

 

Allgemeine These: Die Anwendung der Technik x oder der Technologie y führt zu einer optimalen Verwendung knapper Ressourcen. 

 

Konkrete These: Der Einsatz eines Lernvideos führt zu einer optimalen Nutzung der Zeit. 

(Das Lernvideo ist die eingesetzte Technik und die Zeit ist die knappe Ressource.)

 

SCHRITT 1: Sachverhalt Beschreiben

Mein Name ist Miriam Huwiler und ich arbeite am Berufsbildungszentrum Bau und Gewerbe (BBZB) in Luzern an der Abteilung Berufsmaturität. Gemeinsam mit angehenden Berufsmaturandinnen und Berufsmaturanden der Fachrichtung "Technik, Architektur und Life Sciences" gestalte ich dort den Lernraum Wirtschaft und Recht. 

 

Mein beruflicher Auftrag besteht darin, meine Lernenden dahingehend zu begleiten, dass sie die im Lehrplan für mein Fach vorgegebenen fachlichen und überfachlichen Kompetenzen erwerben können. Im Rahmen dieses Auftrags erstelle ich Lehr- und Lernmaterialien und stelle diese zur Verfügung. 

Eine fachliche Kompetenz, welche die Lernenden erreichen sollen, besteht darin, dass sie fähig sind, einfache Erbrechtsfälle mit Hilfe des ZGB selbständig zu lösen. Ich stelle den Lernenden dazu ein selbst erstelltes Lernvideo zur Verfügung. Darin zeige ich ihnen anhand eines konkreten Fallbeispiels, wie sie mit Hilfe der sog. 7-Schritt-Methode (mehr dazu HIER) den Fall lösen können. Im Video werden meine Erklärungen durch Grafiken ergänzt. Jeder einzelne Schritt wird sorgfältig erläutert. Gegen Ende des Lernvideos werden drei Varianten des Falles zum selbständigen Lösen vorgeschlagen. Die Lösungen werden anschliessend präsentiert. Das Lernvideo dauert total 27 Minuten. 

Die Lernenden schauen sich das Lernvideo in ihrem eigenen Tempo an. Sie können unterbrechen, zurück spulen, für die Lösung der Varianten stoppen. Insgesamt benötigen sie dafür 45 bis 60 Minuten. Anschliessend bearbeiten die Lernenden weitere Übungsfälle. Sie greifen dabei auf das Methodenraster zurück und schauen sich nochmal gezielt einzelne Punkte im Lernvideo an. 

Seit wir das Lernvideo einsetzen, benötigen wir rund 3 Lektionen à 45 Minuten für die Erarbeitung des Themas "Erbrecht", bis sich die Lernenden kompetent genug fühlen, um an einer Prüfung selbständig einen Fall zu bearbeiten. 

 

Schritt 2: Fachbegriffe identifizieren und definieren

Zeit ist ein wesentlicher Faktor im Betrieb "Schule". Stofffülle trifft auf eine beschränkte Anzahl Lektionen. Zeit ist damit eine knappe Ressource. Je effizienter wir die Zeit nutzen, desto effektiver können wir die Stofffülle bewältigen. Wir müssen also die richtigen Dinge (Effektivität) richtig tun (Effizienz) (Quelle).

Mit der ökonomischen Grösse der Effizienz zeigen wir das Verhältnis von Ergebnis und Aufwand. Effizienz wird mit der Kennzahl der Produktivität gemessen (Quelle). Hierbei wird der Input mit dem Output verglichen.

In meinem Beispiel heisst das: Output / Input -> 10 Punkte bei Test / 3 Lektionen Lehr- und Lernaufwand = Lernproduktivität Erbrecht

 

Schritt 3: Daten sammeln, prüfen und vergleichen

Vor dem Einsatz des Lernvideos betrug der Lehr- und Lernaufwand mind. 6 Lektionen, damit die Lernenden sich kompetent genug fühlten, um an einer Prüfung selbständig einen Erbrechtsfall zu bearbeiten. Rund 75 Minuten waren notwendig, um im Frontalunterricht den Inhalt des Lernvideos zu vermitteln. Ich löste den Übungsfall vor, die Lernenden schrieben mit. Das verursachte Wartezeiten und Ablenkungen, da nicht alle Lernenden gleich schnell schreiben. Anschliessend an die Theorievermittlung übten die Lernenden anhand weiterer Fallbeispiele. Erst hier merkten wir, was sie aus dem Lehrervortrag verstanden haben und was nicht. Wir konnten aber nicht einfach "zurück spulen". Ich musste es nochmal erklären oder sie mussten einen Text lesen. 

Bei in der Regel um die 24 Lernenden in einer Klasse führt das individuelle Begleiten und Fragen beantworten unweigerlich dazu, dass Lernende warten müssen, bis ich Zeit für sie habe. Diese Zeit verstreicht in der Regel unproduktiv. Mit Hilfe des Lernvideos können sie viele Fragen selber beantworten, in dem sie an die entsprechende Stelle spulen und sich meine Erklärung noch einmal (oder auch mehrere Male) anhören. Gleichzeitig habe ich mehr Zeit, um die Lernenden zu beobachten, allfällige Denkfehler zu eruieren und sie gezielt zu unterstützen. 

 

Schritt 4: Beurteilung und Fazit

Bei Prüfungen erreichten meine Lernenden bereits vor Einsatz des Lernvideos hohe Punktzahlen bei Erbrechtsfalllösungen. Die 7-Schritt-Methode bewährt sich sehr. Allerdings betrug der Lehr- und Lernaufwand mind. 6 Lektionen. Durch den  Einsatz des Lernvideos konnte der Lehr- und Lernaufwand um 50% auf 3 Lektionen gesenkt werden. Die Prüfungsresultate zeigen bei 80% der Lernenden die Maximalpunktzahl bei der Erbrechtsfalllösung und bewegen sich damit im gleichen Rahmen wir vor Einsatz des Lernvideos. Wir sind 50% produktiver geworden. 

Ich kann also festhalten, dass der Einsatz des Lernvideos zu einer Steigerung der Produktivität um 50% geführt hat. Wir sind doppelt so effizient wie vor Einsatz des Lernvideos. Die knappe Ressource Zeit wird optimal genutzt. 

 

Dieser Text ist ein Anwendungsbeispiel der 4-Schritt-Methode zum Verfassen von Fachtexten. Mehr dazu HIER.

28.09.2021 Miriam Huwiler

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