Das Systemperspektiven-Modell

Modelle stellen die reale Welt vereinfacht dar, so dass wir sie besser erfassen können. Das Systemperspektiven-Modell geht von der mündigen Bürgerin und vom mündigen Bürger aus und beschreibt die Rollen, die wir innerhalb der existenzrelevanten Systeme einnehmen. Jede dieser Rollen eröffnet eine eigene Perspektive auf ein Thema. 

 

Sechs existenzrelevante Systeme

Politisches, rechtliches und gesellschaftliches System

Mit der Geburt wird ein Mensch Teil der Gesellschaft und der Rechtsordnung eines Landes. Politische Entscheidungen formen das Recht, deshalb ist auch die Politik für alle relevant – selbst für jene, die nicht abstimmen.

 

Ökonomisches, technologisches und ökologisches System

Um zu leben, braucht ein Haushalt ein Einkommen, also ist die Wirtschaft unverzichtbar. Wer sich neuen Technologien verschliesst, riskiert ausgeschlossen zu werden. Und die Natur schliesslich ist unsere Lebensgrundlage.

 

Auf Religion oder psychologisches Fachwissen kann ein Mensch dagegen verzichten – diese sind nicht existenzrelevant und gehören deshalb nicht zu den sechs Systemen. Den sechs Systemen aber kann sich in der Schweiz niemand entziehen.

 

Systemperspektiven und Rollen

Systemperspektiven-Modell (Miriam Huwiler, 2020)
Systemperspektiven-Modell (Miriam Huwiler, 2020)

Systemperspektiven-Modell (Miriam Huwiler, 2020)

Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen den existenzrelevanten Systemen und unseren Rollen. Aus der Perspektive der Politik sind wir Stimmberechtigte, Wählende oder auch Politikerinnen und Politiker. Aus der rechtlichen Perspektive sind wir Vertragspartei oder ganz allgemein ein Rechtssubjekt in Abgrenzung zum Rechtsobjekt. Wir könnten auch klagende oder angeklagte Partie auftreten oder einem Gericht angehören.  

 

Interessant wird es, wenn wir Menschen mit einer anderen Rolle begegnen, die eine andere Perspektive einbringen. Als Lehrpersonen und Lernbegleitende können wir unsere Lernenden mithilfe des Systemperspektiven-Modells fragen, aus welcher Perspektive sie gerade argumentieren. Häufig steuern uns in Gesprächen, Diskussionen und Debatten Selbstbilder, die uns gar nicht bewusst sind: Meinungen verhärten sich, und auf Widerspruch reagieren wir ablehnend.

 

Für eine Demokratie, wie die Schweiz sie lebt, ist eine offene und andere Meinungen wertschätzende Debattenkultur entscheidend. Das Systemperspektiven-Modell hilft, Gespräche sachlich zu führen, indem die Beteiligten ihre Perspektive offenlegen. So lässt sich zum Beispiel sagen: "Ich verstehe deinen Standpunkt - aus ökonomischer Perspektive kann ich das nachvollziehen. Hast du aber auch an die soziale Perspektive gedacht?" 

Bezug zur Systemanalyse-Methode

Die Systemanalyse-Methode baut auf diesem Modell auf. Sie ist eine Denkmethode, die vernetztes Denken fördert und eine logisch-rationale Herangehensweise an Frage- und Problemstellungen ermöglicht. Ihr Ziel: Komplexität reduzieren, indem man eine Fragestellung nach ihren Bezugspunkten zu den sechs Teilsystemen aufschlüsselt.