Die Ampelmethode

Gesetzesartikel sind oft in einem einzigen, langen Satz geschrieben. Die Ampelmethode hilft dir, diesen Satz zu «knacken»: Du zerlegst ihn in seine zwei Bausteine und markierst sie farbig:

 

 

Die Idee dahinter

Stell dir vor, du kommst an eine Ampel. Sie zeigt orange: Jetzt musst du prüfen – gehe ich weiter oder nicht? Genau das machst du mit den Tatbestandsmerkmalen: Du prüfst sie der Reihe nach.

  • Sind alle Merkmale erfüllt, springt die Ampel auf grün – die Rechtsfolge tritt ein, du «darfst weiter».
  • Fehlt auch nur ein Merkmal, springt die Ampel auf rot. Die Rechtsfolge tritt nicht ein. In einem Prozess gegen die andere Partei stünden deine Chancen dann schlecht.

(Rot markierst du übrigens nichts – Rot ist das Ergebnis, wenn ein orangefarbenes Merkmal fehlt.)

 

So gehst du vor

  1. Suche den passenden Gesetzesartikel (den Tatbestand).
  2. Markiere orange, was erfüllt sein muss (die Tatbestandsmerkmale).
  3. Markiere grün, was dann passiert (die Rechtsfolge).
  4. Formuliere den Artikel als Wenn-Dann-Satz um: Wenn (alle orangen Merkmale), dann (grüne Rechtsfolge).

Beispiel: Art. 41 OR

«Wer einem anderen widerrechtlich Schaden zufügt, sei es aus Absicht oder Fahrlässigkeit, der wird zu Ersatz verpflichtet.»

  • Orange (Tatbestandsmerkmale): ein Schaden entsteht · widerrechtlich · verschuldet (Absicht oder Fahrlässigkeit) · der Schaden wurde jemand anderem zugefügt (Kausalzusammenhang)
  • Grün (Rechtsfolge): Wer den Schaden verursacht hat, muss ihn ersetzen.

Als Wenn-Dann-Satz: Wenn du jemandem widerrechtlich einen Schaden zufügst – mit Absicht oder aus Fahrlässigkeit –, dann musst du diesen Schaden ersetzen.

Und danach?

 

Mit der Ampelmethode erkennst du, was im Gesetz steht. Ob die Merkmale in deinem konkreten Fall wirklich erfüllt sind, prüfst du anschliessend mit der → Subsumtion (4-Schritt-Methode).